23) Eigentlich das Ende

Veröffentlicht am 1. März 2026 um 17:30

Am Montag hatte ich von der Schule frei und konnte ausschlafen. Zu Mittag fuhr ich zu meinem Freund, der für uns Spaghetti Bolognese kochte. Doch ich schaffte vielleicht fünf Bissen. Mehr ging nicht. Das Schlucken tat weh, meine Zunge brannte und ich merkte, wie die Schmerzen im Hals immer schlimmer wurden. Sogar Wasser trinken oder den eigenen Speichel zu schlucken schmerzte massiv. Mein Freund fuhr mich zur Bestrahlung. Direkt danach fühlt es sich manchmal für einen kurzen Moment so an, als würden die Schmerzen leichter werden, doch eigentlich wird es mit jeder einzelnen Einheit schlimmer.

Am Dienstag hatten wir eine Prüfung und mir ging es an diesem Tag absolut nicht gut. Ich hatte kaum geschlafen und meine Stimmung war dementsprechend. Nach der Prüfung durften wir nach Hause gehen. Ich legte mich kurz hin, bevor es wieder zur Bestrahlung ging, und schlief sofort ein. Ich schlief beim Hinfahren und auch beim Heimfahren – ich war einfach nur erschöpft. Im Bestrahlungszentrum wurde vor der eigentlichen Sitzung noch Blut abgenommen und mein Gewicht kontrolliert. Dabei bekam ich einen richtigen Schreck. Vor zwei Wochen, zu Beginn der Bestrahlung, wog ich 64,0 kg. Jetzt, zwei Wochen später, nur noch 59,5 kg. 4,5 Kilo weniger – wahrscheinlich meiner schmerzassoziierten „Fastenzeit“ geschuldet. Ich bekam noch eine Mundspüllösung mit, doch sie hilft mir kaum, da meine Schmerzen tief im Rachen sitzen – dort, wo man mit Gurgeln einfach nicht hinkommt.

Zuhause angekommen schlief ich wieder, weil ich einfach total kaputt war. Gegen 21:00 Uhr wurde ich wach, mir war extrem übel. Ich wollte mir noch Tabletten gegen die Übelkeit holen, doch so weit schaffte ich es nicht mehr. Ich war froh, dass ich es noch rechtzeitig zur Toilette schaffte. Da mir Essen so weh tat, hatte ich seit Montagabend kaum feste Nahrung zu mir genommen. Ich erbrach nur Wasser und ein paar Löffel Hipp-Babynahrung, die ich zuvor gegessen hatte. Die Nacht war – um ehrlich zu sein – die Hölle. Alle eineinhalb Stunden wurde ich wach, mir war entweder viel zu heiß oder eiskalt. Am Morgen hatte ich leicht erhöhte Temperatur, mein Kopf fühlte sich an, als würde er explodieren, und mein restlicher Körper war eisig kalt.

Wegen der zwei Prüfungen an diesem Tag wollte ich eigentlich in die Schule gehen, doch Magda riet mir dringend, zuhause zu bleiben. Mein Kopf war knallrot, mir war schlecht – es ging einfach nicht. Mein Freund Michael und ein Freund von ihm holten mich ab, weil ich selbst nicht fahren konnte. Sein Freund fuhr sogar mein Auto, wofür ich wirklich dankbar war. Am Nachmittag fuhr ich mit der Mama von meinem Freund zur Bestrahlung. Ich wollte auf keinen Fall eine Sitzung auslassen, ich wollte einfach, dass es am Freitag vorbei ist. Am Donnerstag quälte ich mich richtig dorthin. Ich wollte nicht mehr. Mein Hals, die Schmerzen, die gesamte Situation – alles war einfach zu viel. Bevor ich schlafen ging, dachte ich noch, es sei etwas besser geworden, doch um Punkt 22:00 Uhr musste ich erneut erbrechen und damit tat wieder alles weh.

Am Freitag erreichten meine Schmerzen ein fast nicht mehr auszuhaltendes Niveau. Ich hatte mehrmals Nasenbluten, egal ob tagsüber oder nachts. Mein Papa fuhr mich zur letzten Bestrahlung. Schon auf der Fahrt dorthin bekam ich wieder Nasenbluten, musste viel husten und merkte, wie sich eine richtige Verkühlung anbahnte. Die letzte Bestrahlung verlief wie alle anderen. Doch als ich danach im Auto saß, musste ich einfach weinen. Endlich ist es vorbei. Und gleichzeitig waren die Schmerzen im Hals so stark, dass ich kaum wusste, wohin mit mir. Auf dem Heimweg blieben wir noch kurz bei meiner Tante und meinem Onkel stehen, aber lange hielten wir nicht, da ich völlig ausgelaugt war. Zuhause merkte ich, wie mein Körper komplett herunterfuhr. Mein Allgemeinzustand wurde immer schlechter. Meine Mama schlief in dieser Nacht bei mir und ich war ziemlich froh darüber, weil ich in dieser Nacht alleine nicht zurechtgekommen wäre. In einem Moment war mir eiskalt, im nächsten schwitzte ich so stark, dass ich nicht wusste, wohin mit mir.

Am Samstagvormittag kam ein Bekannter meiner Mama, der Arzt ist. Er legte mir einen Zugang und gab mir Infusionen. Ich merkte, wie mir die Flüssigkeit gut tat – meine verschleimte Nase und Brust lockerten sich etwas. Doch ich musste so viel husten, was die Schmerzen im Hals nur noch verstärkte. Die Nacht von Samstag auf Sonntag war genauso schwierig. Zweimal Nasenbluten und jedes Mal, wenn ich eingeschlafen war, riss mich ein Hustenanfall wieder aus dem Schlaf. Auch heute, am Sonntag, bekam ich wieder Infusionen, doch ich fühle mich kaum besser. Eigentlich wollte ich morgen wieder in die Schule gehen, doch vermutlich führt mein Weg zuerst in die onkologische Ambulanz, um alles abklären zu lassen.

Es tut mir leid, dass der heutige Blog verspätet kommt. Am Vormittag hatte ich einfach keine Kraft, ihn fertigzuschreiben. Ich hoffe sehr, dass morgen im Krankenhaus nichts Schlimmes herauskommt. Davon erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Bleibt gesund 🤍
Eure Theresa

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