Am Montag, dem 9.2.2026, fuhr ich morgens in die Schule und merkte schon auf dem Weg dorthin, wie sich die Nervosität immer weiter in mir ausbreitete.
Vor der Schule musste ich noch schnell zur Apotheke, da mir meine Blutverdünnung ausgegangen war. Einen Monat muss ich das Medikament wegen meiner Thrombose im Arm- und Brustbereich noch nehmen. Schon verrückt, wie normal solche Sätze inzwischen für mich klingen.
In der Schule kam ich leicht verspätet an und spürte sofort, dass ich absolut keinen Nerv für Aufgaben oder Unterricht hatte. Meine Gedanken waren ganz woanders. Mittags ging ich mit den Mädels aus meiner Klasse essen, doch mehr als einen Salat brachte ich nicht hinunter.
Um 13:30 Uhr holte mich mein Taxifahrer ab und fuhr mich nach Vöcklabruck ins Krankenhaus. Ich war ziemlich müde und schlief auf der Fahrt dorthin ein.
Im Krankenhaus meldete ich mich an und nahm im Wartebereich Platz. Kurz darauf wurde ich vom Primar aufgerufen. Er wollte nur wissen, ob ich noch Fragen habe oder ob alles passt. Da ich keine Fragen mehr hatte, wurde noch Blut abgenommen, danach ging ich wieder zurück in den Wartebereich.
Wenig später wurde ich erneut aufgerufen. Ich ging in eine der vier Kabinen, legte meine Tasche ab und zog meinen Pullover aus. Da bei mir der Hals bestrahlt wird, hatte ich vorsorglich ein trägerloses Top angezogen.
Ich bekam eine Bestrahlungskarte vom Krankenhaus. Diese muss ich jedes Mal der Dame geben, die mich aufruft – sie dient zur Kontrolle.
Dann wurde ich aus der Kabine geholt und in den Bestrahlungsraum gebracht. Dort steht eine Liege mit einem Keil, der für meinen Kopf vorgesehen ist. Eine Dame holte meine angefertigte Maske aus dem Schrank. Sie erklärten mir noch einmal den Ablauf: Maske aufsetzen, einen Bügel um Hüfte und Arme, anschließend eine Lagekontrolle mittels CT – und erst dann beginnt die Bestrahlung.
Ich lag auf der Liege und sie fragten mich, ob ich bereit sei.
Ich sagte „Ja“.
Doch innerlich fragte ich mich, ob man für so etwas jemals wirklich bereit sein kann.
Die Maske ist an einem festen Rahmen montiert und wird mit Clip- oder Schnappverschlüssen an einer Basisplatte befestigt, die am Behandlungstisch fixiert ist.
Zuerst schlossen sie die rechte Seite am Tisch fest. Ich dachte noch, es ist eng, aber ähnlich wie beim Erstellen der Maske. Dann bemerkte ich, dass die linke Seite noch gar nicht richtig befestigt war.
Als auch diese geschlossen wurde, hatte ich das Gefühl, als würde mein Kopf eingedrückt werden. Es war einfach nur schlimm und erdrückend.
Ich habe in den letzten sechs Monaten viel mitmachen müssen – das Legen meines PICC im Arm, die unzähligen Chemotherapien mit ihren Nebenwirkungen. Doch noch nie hatte ich solche Angst wie in diesem Moment. Ich spürte meine Carotis, meine Hauptschlagader, deutlich pochen.
Eine Dame sagte mir, dass ich mich jederzeit melden oder Fragen stellen könne. Der Raum ist videoüberwacht, sie seien während der Behandlung nicht im Raum, aber wenn ich Schmerzen oder Panik hätte, solle ich einen Fuß oder Arm heben – dann würden sie das Gerät sofort stoppen und hereinkommen.
Das mit dem Reden fand ich irgendwie witzig.
Die Maske war so eng, dass ich mich nicht traute, meine Augen zu öffnen, weil ich das Gefühl hatte, mein Augenlid würde beim Öffnen hängen bleiben. Und reden? Reden kann man das nicht wirklich nennen. Ein „Mhm“, ein „Ja“ oder „Nein“ bekomme ich gerade noch heraus – mehr aber auch nicht.
Als alles fixiert war, wurde der Tisch eingestellt. Am Wochenende hatte einer meiner besten Freunde, Daniel, Geburtstag.
Dort traf ich eine Bekannte, die an der FH in Linz Radiotechnologie studiert. Sie erzählte mir, dass es beim ersten Mal länger dauert, weil der Tisch individuell eingestellt werden muss und sich das System die Positionen für die Folgebehandlungen merkt.
Genau so, wie sie es geschildert hatte, wurde ich ausgerichtet und der Tisch eingestellt. Danach wurde die CT-Lagekontrolle durchgeführt und gleich im Anschluss startete die Bestrahlung.
Ich fragte mich die ganze Zeit, ob das jetzt schon die Bestrahlung ist oder noch nicht. Doch als ich dieses Geräusch hörte – es klang, als würde man unter einer Hochspannungsleitung stehen – wusste ich: Jetzt beginnt sie.
Man verspürt keinerlei Schmerzen.
Und nach etwa drei Minuten ist alles vorbei.
Damit ich mich nicht zu sehr auf das „Nicht-Bewegen“ konzentriere, singe ich in Gedanken Lieder. Das hilft mir, mich nicht nur auf das Geräusch und die Situation zu fixieren.
Als es vorbei war, wurde mir sofort die Maske entfernt. Ich musste noch kurz liegen bleiben und durfte dann wieder in die Kabine. Ich hörte nur noch: „Bis morgen, Frau Hatheier.“
In der Kabine musste ich einfach weinen.
Ungefähr 15 Minuten war ich in dieser Maske fixiert, und an diesem Tag war es mir einfach zu viel – die Aufregung, das Unbekannte, diese Enge.
Ich stieg wieder ins Taxi ein und wurde zurück zur Wohnung gefahren. Dort erzählte ich meiner Mitbewohnerin Magda, wie es war – und auch dabei musste ich wieder weinen.
Ich ging früh ins Bett, weil ich total müde war.
Schon am nächsten Morgen hatte ich das Gefühl, dass sich mein Mund trocken anfühlt. Ich wusste nicht, ob es Einbildung war, deshalb schenkte ich dem zunächst nicht viel Beachtung.
Die nächsten Behandlungen verliefen deutlich angenehmer. Man gewöhnt sich an die Enge der Maske, und es wird langsam zur Routine.
Der trockene Mund war keine Einbildung – er kommt von der Bestrahlung. Seitdem ist mir morgens oft stark übel, und mein Körper fühlt sich häufig sehr erschöpft an.
Ich ging am Vormittag immer zur Schule und wurde von dort jeden Tag– außer am Freitag – nach Vöcklabruck zur Bestrahlung gefahren.
Am Freitag war ich jedoch nicht in der Schule. Ich hatte morgens starke Kopfschmerzen und kämpfte sehr mit Übelkeit. Mein Körper hat mir an diesem Tag einfach gezeigt, dass es genug ist.
Umso mehr bin ich froh, dass jetzt das Wochenende ansteht und ich mich ein wenig erholen kann.
Ich bin gespannt, wie sich mein Hals bei den nächsten Bestrahlungen verändern wird. Zu Beginn wurde mir gesagt, dass es sein kann, dass in der zweiten Woche der Hals beginnt, rot zu werden. Ob es tatsächlich so kommt, erzähle ich euch nächste Woche.
Bleibt gesund
eure Theresa 🤍
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