Am Montagabend fuhr ich nach der Schule nach Hause, da am nächsten Tag mein erstes Gespräch im Bestrahlungszentrum in Vöcklabruck anstand. Mein Vater holte mich am Dienstagmorgen ab und fuhr mit mir ins Krankenhaus. Bei solchen Terminen bin ich immer sehr froh, wenn jemand dabei ist. Es gibt mir ein besseres Gefühl – und vier Ohren hören bekanntlich mehr als zwei.
Im Krankenhaus angekommen, mussten wir zuerst in ein Nebengebäude. Das Strahlenzentrum befindet sich nicht direkt im Krankenhaus, sondern daneben, in einem kleinen, unscheinbaren Gebäude. Innen erinnert es mich irgendwie an ein Hallenbad – nicht wegen Wasser, sondern wegen der vielen Türen. Jede ist nummeriert und als Umkleide gekennzeichnet. Zwischen diesen Türen steht, wie in so vielen Krankenhäusern, ein Aquarium.
Die Patient:innen sitzen vor den Umkleiden entlang des Ganges, mit Blick auf die Türen – und auf das Aquarium. Es wirkt zunächst etwas seltsam, aber gleichzeitig nicht befremdlich. Viele Menschen dort haben keine Haare. Ich selbst habe inzwischen wieder welche, etwa einen Zentimeter lang – also keine Glatze mehr.
Mein Papa und ich warteten anschließend in einem hinteren Wartebereich auf den Primar. Er holte uns ab, erklärte mir den genauen Ablauf der Bestrahlung und zeigte uns anhand meiner neuen PET-CT-Bilder, wo sich der Krebs noch befindet. Außerdem erklärte er mir, dass ich eine Maske angepasst bekomme, die zur „Fixierung“ dient. Sie sorgt dafür, dass Kopf und Schultern bei jeder Bestrahlung exakt gleich positioniert sind.
Ich wurde über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt, mir wurde aber auch gleich gesagt, dass bei der geplanten Stärke der Bestrahlung nur wenige Nebenwirkungen zu erwarten seien.
Der Beginn der Bestrahlung ist der 9. Februar 2026. Insgesamt stehen 15 Bestrahlungen an – von Montag bis Freitag, über drei Wochen hinweg. Die letzte Bestrahlung wird am 27. Februar 2026 sein. Jeden Tag um 15:00 Uhr, und die eigentliche Bestrahlung dauert nur etwa drei Minuten.
Der Arzt erklärte mir, dass ich selbst mit Wartezeit höchstens rund 20 Minuten im Bestrahlungszentrum verbringen werde, da das exakte Einstellen und Positionieren am längsten dauert.
Ich muss sagen, ich hatte in diesem Moment nicht viele Fragen. Ich bin einfach froh, wenn alles endlich weg ist. Wie so oft kamen mir die Fragen dann erst später.
Nach dem Gespräch musste ich erneut im Aufenthaltsraum warten, da ich anschließend noch zum CT gebracht wurde. Dort wurde die Maske für mein Gesicht und meine Schultern angefertigt. Ich hatte damit gerechnet, deshalb hat mich diese Information nicht schockiert – ich konnte mich innerlich zumindest ein wenig darauf vorbereiten.
Ich musste Ohrringe und Ketten ablegen und mich oberkörperfrei auf die CT-Liege legen. Zuerst wurde eine passende Kopfhalterung ausgesucht, in der ich den besten Halt habe. Die Position muss möglichst stabil sein, damit sich später nichts verändert.
Zwei Mitarbeiterinnen richteten dann meinen Kopf aus und brachten meine Arme und Schultern in Position. Anschließend wurde ich durch das CT-Gerät geschoben, sodass mein Kopf aus der Röhre herausragte und mein Körper darin lag. Sie erklärten mir, dass das Anfertigen der Maske gleich nass und heiß werden würde. Ehrlich gesagt hatte ich mir zuvor nie Gedanken darüber gemacht, wie diese Maske eigentlich entsteht.
Mir wurde noch gesagt, dass die Maske auf meinem Gesicht auskühlen muss und dabei gleichzeitig ein CT gemacht wird.
Mehr Informationen bekam ich zunächst nicht, weshalb ich nachfragte, wie das mit dem Atmen funktionieren würde. Die Antwort war nur: „Das ergibt sich dann.“
Kurz darauf verschwanden die beiden in einem Nebenraum und sagten mir, dass sie gleich zurückkämen. Plötzlich standen sie vor mir mit einem wabenartigen Netz in den Händen, das sie mir schnell ins Gesicht drückten.
Ich hatte es mir heißer vorgestellt, aber trotzdem war es ziemlich unangenehm. Sie zogen das Material immer fester über mein Gesicht und fuhren meine Konturen nach, damit es so eng wie möglich an Gesicht, Hals und Schultern anliegt. Leider härtete das Material zu schnell aus und saß an einigen Stellen zu locker – also musste ein zweiter Versuch gemacht werden.
Beim zweiten Mal warteten wir, bis das Gitter wirklich heiß genug war. Dieses Mal war es deutlich heißer, aber noch gut auszuhalten. Ich spürte, wie sie über meine Nase fuhren, und erst danach traute ich mich richtig zu atmen. Es fühlte sich dann so an, als könnte ich nur noch durch ein einziges Nasenloch Luft bekommen.
Es ist sehr befremdlich zu wissen, dass man sich nicht bewegen darf – jede Bewegung könnte die Maske beschädigen. Noch seltsamer ist das Gefühl, wenn vier Hände gleichzeitig an deinem Gesicht, Hals und Brust arbeiten.
Beim zweiten Versuch passte die Maske. Danach wurde noch ein CT gemacht. Mir wurde erklärt, dass die Maske weiter aushärten müsse – und dann hatte ich es endlich geschafft.
Es fühlte sich an wie Stunden. Die Position zu halten war unglaublich anstrengend: die Schultern nach unten gedrückt, die Arme eng am Körper, die Hände zwischen den Oberschenkeln. Als das CT fertig war, hoffte ich, dass die Maske endlich abgenommen wird – doch es mussten noch Ausrichtungspunkte festgelegt werden.
Sprechen ist mit der Maske nicht möglich, also konnte ich auch nicht fragen, wie lange es noch dauert. Es gibt auch keinen Notfallknopf oder Ähnliches, was mich sehr überrascht hat. Obwohl ich nicht klaustrophobisch bin, war diese Situation für mich wirklich grenzwertig.
Die Maske musste anschließend noch länger aushärten, was mich endgültig an meine Grenzen brachte. Ich begann zu zittern – vor Kälte und vor Erschöpfung.
Als sie die Maske endlich von mir lösten, konnte ich wieder richtig durchatmen. Man atmet mit dieser Maske extrem oberflächlich, da sich der Brustkorb kaum heben darf, um die Form nicht zu verändern. Unten füge ich ein Bild ein, auf dem man gut sehen kann, wie stark und eng die Maske saß – denn selbst noch einige Zeit danach hatte ich die Abdrücke deutlich im Gesicht.
Ich durfte mir meine Maske danach ansehen – sie sieht total verrückt aus. Ich würde bei der Bestrahlung gerne ein Foto davon machen. Leider habe ich das an diesem Tag vor lauter Aufregung vergessen.
Nach dem Anfertigen der Maske war ich im Krankenhaus fertig und durfte gehen. Da mein Onkel und meine Tante in Vöcklabruck leben, trafen wir uns anschließend noch zum Mittagessen in einer Pizzeria. Das hat mich sehr gefreut, da ich sie wegen der Entfernung nicht so oft sehe.
Am Nachmittag kam ich wieder zu Hause an und war einfach nur müde.
Mein Plan ist, vor der Bestrahlung vormittags in die Schule zu gehen und am Nachmittag zur Bestrahlung zu fahren. Ich hoffe sehr, dass dieser Plan aufgeht – und dass die kommenden Wochen schnell vorübergehen.
Bleibt gesund,
eure Theresa 🫶🏻🌸
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