18) Oma – Erinnerungen, die tragen.

Veröffentlicht am 25. Jänner 2026 um 14:00

Am Sonntagmorgen ging ich mit meiner Mädelsgruppe frühstücken, da eine Freundin wegen ihres Studiums für die nächsten Monate nach Ibiza zieht. Schon morgens bemerkte ich, dass mir irgendwie alles ziemlich wehtat, doch am schlimmsten war mein Knie. Gehen tat total weh, und am ärgsten war es, wenn ich Stiege um Stiege hinaufgehen musste.

Die Zeit verging wie immer beim Kaffeetrinken furchtbar schnell, und am Nachmittag merkte ich, wie ich langsam etwas nervös wurde. Ich freute mich einfach riesig darauf, wieder in die Schule zu gehen. Nach der ersten Woche kann ich jetzt sagen, dass es mir auch richtig guttut, wieder in meiner Routine zu sein.

Es war zwar manchmal etwas anstrengend, aber nicht körperlich, sondern eher von der „Lärmbelastung“ her. Ich war jetzt längere Zeit zu Hause und konnte mich immer zurückziehen, wenn ich wollte, und in der Klasse hört man ständig irgendwelche Geräusche. Ich weiß nicht warum, aber ich nehme kleine Nebengeräusche total intensiv wahr. Wenn ich Magda oft frage, ob sie das auch gehört hat, schüttelt sie nur den Kopf und sagt, dass sie solche Nebengeräusche einfach ausblenden kann.

Da fühle ich mich oft wie Leute, die ein Hörgerät bekommen haben und dann völlig überfordert sind von den normalen Geräuschen der Umwelt.

Doch ich glaube, damit bin ich nicht die Einzige. Viele meiner Schulkolleginnen waren im Praktikum, und sich danach wieder in die Schule zu setzen, ist genauso anstrengend. Das weiß ich noch von den Praktika davor – die erste Schulwoche danach war eigentlich immer fordernd.

Ich merke auch, wie ich mich immer mehr bewegen möchte. Zurzeit habe ich einen ziemlich starken Bewegungsdrang. Leider sind die Kälte und ich keine guten Freunde, und deshalb bremst mich das Wetter gerade etwas aus. Magda und ich waren diese Woche zwar zweimal spazieren, doch der eisige Gehsteig hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich ging wirklich vorsichtig, und trotzdem lag ich schneller am Rücken, als ich schauen konnte. Es tat mir nur leicht weh, aber durch die Blutverdünner habe ich nun – zusätzlich zu den unzähligen blauen Flecken vom Skifahren – wieder ein paar neue dazubekommen.

Meine Oma hätte ich früher wahrscheinlich belehrt, dass man bei so einem Wetter nicht spazieren gehen muss und „bla bla bla“. Und jetzt bin ich genau so wie sie. Das bringt mich ehrlich gesagt ein bisschen zum Schmunzeln.

Am Freitag war ich trotzdem froh, wieder zu Hause zu sein. Am Nachmittag ging ich mit Anja eine große Ortsrunde – wenn man das überhaupt „groß“ nennen kann, denn mein Heimatort ist vieles, aber sicher nicht groß.

Am Abend waren wir dann gemeinsam essen: mein Freund, mein Papa, seine Freundin, ihre Tochter und ich. Wir gingen in das Restaurant Luger, in dem ich früher in den Ferien gearbeitet habe.

Wir gehen alle total gern dorthin – nicht nur, weil das Essen wirklich lecker ist, sondern auch, weil ich mich dort einfach wohlfühle. Mein Papa hat eine Holz-Zille, die im Hafen direkt vor dem Restaurant ihren Platz hat. Deshalb war ich schon als Kind oft dort, und wahrscheinlich kommt daher dieses heimelige Gefühl, das dieser Ort in mir auslöst.

Oft denken wir daran zurück, dass ich bei meiner Erstkommunion einen Gips hatte und wir danach ebenfalls in diesem Restaurant essen waren. Alle wünschten sich ein Schnitzel oder etwas Ähnliches, doch mein Wunsch war eine Schnitzelsemmel. Bis heute kann ich mir nicht erklären, wie ich die einarmig essen konnte. Aber bei dem Hunger, den ich als Kind hatte, hätte mich nichts vor dem Essen aufgehalten.

Heute, am Sonntag, dem 25.01.2026, ist es ein Jahr her, dass meine Oma gestorben ist. Sie hat damals den Kampf gegen den Krebs verloren. Und ich muss sagen: Ich ziehe meinen Hut vor ihr. Erst jetzt kann ich mir – trotz allem –nur ansatzweise vorstellen, wie es ihr gegangen sein muss. Es gab auch Tage, an denen es mir selbst ziemlich schlecht ging. Und wenn ich dann daran denke, dass meine Oma 78 Jahre alt war, als sie ihre Chemotherapie bekam, verstehe ich sie heute viel besser, als sie sagte, dass sie die Chemo nicht mehr machen möchte. Damals konnte ich das ehrlich gesagt nicht so gut nachvollziehen. Ich hätte meine Oma niemals zu etwas gedrängt, doch wir alle hätten uns einfach noch mehr Zeit mit ihr gewünscht. Aber genug Zeit gibt es nie. Und irgendwie bin ich auch froh, dass sie meine Krebsdiagnose nicht mehr miterleben musste. Während ich das gerade schreibe, fließen mir die Tränen, weil ich sie einfach furchtbar vermisse. Auch wenn dieser Tag noch ein Stück in der Zukunft liegt, hätte ich meiner Oma so gerne persönlich gesagt, dass ich meine Schule bestanden habe und nun DGKP (Krankenschwester) bin. Sie hat mich in meiner Entscheidung diese Schule zu machen immer unterstützt. Ich glaube fest daran, dass sie – wenn dieser Tag hoffentlich kommt – von wo auch immer zusieht. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt auf den kommenden Dienstag. Dann erfahre ich, wie die Bestrahlung in Zukunft ablaufen soll – und vor allem wie genau. Ich werde euch am Sonntag wieder davon berichten.


Bis dahin: Bleibt gesund.
Eure Theresa 🤍

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