17) Ein kleines Stück Normalität.

Veröffentlicht am 18. Jänner 2026 um 14:00

Letztes Wochenende ist – wie vielleicht manche von euch auf Instagram gesehen haben – dann doch besser verlaufen als gedacht, besonders nach den nicht so tollen Nachrichten am Freitag davor. Ich war mit drei Freundinnen Bob fahren, wenn man das überhaupt so nennen kann. An ein Quad angehängt fuhren wir über Straßen und durch die Wälder. Es war wild – und vor allem eines: unglaublich lustig. Genau diese Art von ungeplanten, leichten Momenten hatte ich schon lange nicht mehr erlebt.

Am Montag machten sich dann leichte Gliederschmerzen bemerkbar. Das könnte gut vom Bobfahren kommen, denn lenken war ehrlich gesagt nicht meine größte Stärke. Einmal flog ich mit voller Wucht, mit dem Kopf voran, in den Schnee. Durch meine Einnahme von Blutverdünnern waren die blauen Flecken danach auch ziemlich deutlich sichtbar.
Am Montag Nachmittag bekam ich Besuch von einer Freundin, mit der ich früher die Landwirtschaftsschule in Andorf besucht habe und die– genau wie ich – die Ausbildung zur DGKP an derselben Schule gemacht hat. Sie begann etwas früher und diplomierte bereits letztes Jahr. Ihr Besuch hat mich sehr gefreut, und da Kaffeetrinken und Reden definitiv zu meinen Stärken gehören, saßen wir bis in den Abend hinein zusammen.

Am Dienstagvormittag fuhr ich zu meinem Papa, der wegen Problemen mit seinem Knie zu Hause war. Auch im Krankenstand arbeitet er weiter, also nahm ich meinen Laptop mit und schrieb bei ihm an meiner Fachbereichsarbeit weiter. 
Am Abend ging ich mit Anja, einer meiner längsten Freundinnen, eine Runde spazieren – etwas, das mir einfach immer guttut.


Am Freitagabend ging ich mit meiner Mädelsgruppe in eine Bar. Wir quatschten über alles Mögliche, die Zeit verging wie im Flug, und schließlich landeten wir sogar noch in einem Club. Es war das erste Mal seit meiner Diagnose, dass ich wirklich „ausging“. Lange war ich mir nicht sicher, ob ich mich dabei wohlfühlen würde. Meine Freundinnen haben alle lange, schöne Haare – und dann komme ich. Eine Mischung aus Glatze und Babyhärchen. Doch mittlerweile ist mir das egal. 
Am Freitag war es irgendwie wie früher. Und genau solche Momente treffen mich oft mehr, als ich erwarte. Nicht, weil sie traurig sind, sondern weil sie mir kurz das Gefühl geben, ein Stück meines Lebens vor der Diagnose zurückzubekommen. Und das fühlt sich nach Freiheit an.

Wir machen Witze über alles Mögliche – irgendwann auch über mein Aussehen und über meine Krankheit. Manchmal tut das einfach gut. Nicht alles ständig so ernst zu nehmen. Sich selbst nicht. Die Situation nicht.
Für einen Moment steht die Krankheit nicht im Mittelpunkt. Es wird gelacht, gescherzt, ganz normal geredet. Und genau das erinnert mich daran, wie sich Leichtigkeit anfühlen kann. Diese Momente sind selten laut oder besonders groß. Aber sie bedeuten viel.

Ich habe schon oft gehört, dass man über Krebs keine Witze machen dürfe. Ja, Krebs ist scheiße. Punkt. Ich habe und werde mir trotz allem nie das Recht nehmen lassen, auf meine eigene Art damit umzugehen. Ich scherze oft darüber – über meine Haare, über meine Tumore und über vieles mehr –, weil es mir den Druck nimmt. Die Menschen, die mich besser kennen, wissen, dass ich für Spaß immer zu haben bin, und ich hoffe, sie empfinden das auch so. Diese Erkrankung hat mir nicht nur meinen Alltag genommen, sondern oft auch den ganz normalen Umgang mit anderen Menschen verändert.
Viele merken es gar nicht, aber oft spüre ich, dass Menschen mich eigentlich etwas über den „Elefanten im Raum“ fragen möchten – meinen Krebs. Manche wissen nicht, wie sie mit mir oder meiner Krankheit umgehen sollen. Andere trauen sich zwar, haben aber Angst, etwas Falsches zu sagen, und lassen es deshalb ganz bleiben. Wenn ich dann selbst einen kleinen Scherz mache oder einfach zeige, dass es zwar blöd ist, ich mich als Mensch aber nicht verändert habe, wird die Stimmung meist für alle lockerer. Ich kann euch eines sagen: Ich habe mich noch nie so intensiv mit meinem eigenen Tod beschäftigt wie in den letzten fünf Monaten. Ich wusste von Anfang an, dass meine Erkrankung eine gute Heilungschance hat – aber das sind und bleiben Richtwerte. Niemand kann einem die Gewissheit geben, dass eine Therapie anschlägt. Und genau deshalb werde ich, wenn ich es möchte, weiterhin über mich und meine Krankheit scherzen. 


Gestern, am Samstag, dem 17.01.2026, fuhr ich schließlich mit meinem Freund Michael und seiner Familie Ski fahren. Das letzte Mal stand ich in der Hauptschule auf Skiern – also vor ungefähr zehn Jahren. Und ich kann euch sagen: Der Anfang war alles andere als lustig. Nach etwa einem Drittel der blauen Piste hatte ich einen kurzen Nervenzusammenbruch. Am liebsten hätte ich meinen Freund von den Skiern geschubst, doch ich steckte im Tiefschnee fest und kam weder vor noch zurück. So gut waren meine Skikünste dann doch nicht, wie er gedacht hatte. Doch Aufgeben war keine Option, also kämpfte ich mich am Vormittag mit all meiner Kraft über die Pisten. Ein paar Stürze musste ich in Kauf nehmen, aber dafür lief es am Nachmittag im Vergleich zum Vormittag schon deutlich besser. Bei einem Sturz habe ich mir mein rechtes Knie ziemlich verrissen, was ich gegen Ende dann auch richtig gespürt habe. Außerdem habe ich die Kraft, die man fürs Skifahren braucht, massiv unterschätzt. Heute, am Sonntag, dem 18.01., habe ich dann gemerkt, wie viele Muskeln ein Mensch wirklich hat. Ich wusste nicht, dass man an so vielen Stellen gleichzeitig Muskelkater haben kann.
Trotzdem war es auf jeden Fall lustig – und genau das zählt.

Mich würde sehr interessieren, ob ihr Fragen habt, ob euch solche Blog Beiträge gefallen oder ob euch der medizinische Teil mehr interessiert. Schreibt mir das gerne unten in die Kommentare oder auf Instagram – ich freue mich über ehrliches Feedback und darüber zu erfahren, wie viele von euch meinen Blog wirklich lesen.

Ich möchte mich auch von Herzen bei allen bedanken, die diesen Blog verfolgen. Ich schreibe zwar in erster Linie für meine eigene Verarbeitung, aber es motiviert mich sehr, jede Woche weiterzumachen, wenn ich weiß, dass es auch andere interessiert.

Nächste Woche kann ich euch dann erzählen, wie es für mich war, nach so langer Zeit wieder in die Schule zu gehen und wie ich mich dabei gefühlt habe.

Bleibt gesund,
eure Theresa 🤍

 

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