9.12.2025 – Letzte ambulante Chemotherapie
Am Vorabend war ich unglaublich nervös. Irgendwie konnte ich kaum glauben, dass nach dieser Chemotherapie tatsächlich alles vorbei sein könnte. Der Gedanke daran fühlte sich unwirklich an – fast zu groß, um ihn richtig greifen zu können.
Am Morgen fuhr mich meine Mama ins Krankenhaus. Während ich dort war, blieb sie in meiner Wohnung und vertrieb sich die Zeit in der Stadt. Für mich begann der Tag wie so viele zuvor – mit der gewohnten Morgenroutine, nur eben mit dem Wissen, dass es diesmal die letzte sein sollte.
Als meine Ärztin zu mir kam und fragte, ob alles in Ordnung sei, erzählte ich ihr, dass mein rechter Arm mir manchmal Schmerzen bereitete. Er schlief gelegentlich ein, doch sobald ich ihn bewegte, hörte das wieder auf. Ehrlich gesagt hatte ich mir darüber schon kurz Sorgen gemacht. Gleichzeitig redete ich mir ein, dass bei der letzten Chemo doch nichts mehr sein kann und darf. Im Nachhinein weiß ich selbst, wie unsinnig dieser Gedanke war – aber in dem Moment wollte ich einfach glauben, dass alles gut ist.
Die Ärztin reagierte sofort und veranlasste eine Sonographie, also eine Ultraschalluntersuchung. Dabei stellte sich heraus, dass ich an zwei Stellen eine Thrombose hatte – einmal etwa 2 cm und einmal 7 cm lang. Damit hätte ich niemals gerechnet. Gleichzeitig ärgerte ich mich sehr über mich selbst, weil ich nicht früher ins Krankenhaus gefahren bin. Ich bekam daraufhin Eliquis, also einen Blutverdünner, den ich nun für drei Monate einnehmen muss.
Nach dieser Diagnose musste mein PICC-Zugang entfernt werden, und die letzte Chemotherapie sollte über einen Venflon laufen. Das Entfernen des PICCs tat kaum weh, trotzdem war es ein sehr seltsames Gefühl. Unten seht ihr ein Bild, auf dem mir gerade der PICC entfernt wurde – ich glaube, mein Blick sagt alles. Eigentlich hatte ich weniger Angst davor als vor der Chemo selbst. Zytostatika sind sehr aggressive Medikamente, und wenn sie paravenös, also neben die Vene laufen, kann es zu Nekrosen kommen – zum Absterben von Gewebe. Das war einer dieser Momente, in denen ich mir wünschte, einfach weniger zu wissen.
Die Ärztin legte mir anschließend einen Venflon und die Chemo wurde gestartet. Während der gesamten Therapie saß ich fast regungslos da, aus Angst, dass irgendetwas passieren könnte. Mir wurde gesagt, ich solle mich sofort melden, sobald ich Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen bemerken würde. Zum Glück verlief alles reibungslos.
Ich konnte es selbst kaum glauben, als um 14:10 Uhr meine letzte Infusion leer war. Danach bekam ich meinen Termin für das PET-CT und sprach noch kurz mit meiner Ärztin. Sie fragte mich, ob sie mich anrufen dürfe, sobald sie ein Ergebnis erhält – dem stimmte ich sofort zu. Gleichzeitig erklärte sie mir, dass es auch sein könne, dass sie sich nicht meldet, da die Ambulanz zwischen den Feiertagen alle Patient*innen in nur drei Tagen unterbringen muss, die sonst auf fünf Tage verteilt kommen. Sie habe daher sehr viel zu tun. Ich bedankte mich bei ihr für alles und durfte anschließend nach Hause fahren.
Auf dem Heimweg musste ich – wie so oft – einfach weinen. Egal, was noch kommen mag: Dieses Kapitel habe ich geschafft.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Am Montag musste ich wieder in die Schule, da wir zwei Prüfungen hatten – Gynäkologie und Hämatologie. Umso schöner war es zu sehen, dass wir in der gesamten Klasse nur Einser und Zweier hatten.
In den darauffolgenden Tagen merkte ich jedoch, wie sich langsam eine Erkältung ankündigte. An manchen Tagen war es besser, an anderen wieder schlimmer. Am 23.12.2025 hatte ich schließlich meinen Termin für das PET-CT in Wels. Ich war etwas nervös, da ich wusste, dass man bei dieser Untersuchung lange still liegen muss, und hatte Angst, husten oder niesen zu müssen.
Mir wurde erneut radioaktiv markierte 18F-Fluordesoxyglucose gespritzt, danach musste ich eine Stunde ruhig auf dem Rücken liegen. Die eigentliche Untersuchung dauerte dann nur etwa 20 Minuten – und zum Glück trat keine meiner Befürchtungen ein.
Innerlich hoffte ich die ganze Zeit, dass meine Ärztin anrufen würde. Denn wenn ich nichts hören würde, erfahre ich mein Ergebnis erst am 9.1.2026 bei einem Gespräch im Krankenhaus. Die Feiertage verliefen insgesamt sehr angenehm, auch wenn man sich jedes Jahr vornimmt, keinen Stress zu haben – ganz gelingt das dann doch nie.
In den Tagen vor Silvester hatte ich immer wieder die Hoffnung, dass mein Handy klingeln würde. Doch es blieb still. Warten war noch nie meine Stärke, aber umso entschlossener gehe ich in das Jahr 2026. Wenn ich auf 2025 zurückblicke, kann ich nur sagen: Es kann eigentlich nur besser werden.
Es gibt Momente, an die ich gerne zurückdenke. Doch ehrlich gesagt drängt sich meine Erkrankung dabei oft in den Vordergrund. Was ich niemals gedacht hätte, ist dieser massive Einschnitt, den mir allein mein Aussehen zeigt. Wenn ich durch meine Fotogalerie gehe und Bilder sehe, auf denen ich lange, blonde Haare habe, ist in meinem Kopf sofort der Gedanke da: Das war noch, als ich gesund war. Und dann kommen die Fotos mit Glatze. Allein dieser Kontrast schafft ein so starkes Früher und Jetzt, dass sich die alten Bilder oft gleichzeitig fremd und vermisst anfühlen.
Genau in diesen Momenten drängt sich meine Krankheit besonders in den Vordergrund. Denn selbst wenn ich mich an schöne Erinnerungen erinnere, erscheint im Kopf sofort dieser Zeitstreifen, der sagt: vor der Erkrankung. Ich hoffe, man kann meinen Gedankengang hier einigermaßen nachvollziehen.
Trotzdem bin ich dankbar. Dankbar für die Menschen, die wirklich für mich da waren. Dankbar für die Erfahrungen, die ich im letzten Jahr sammeln durfte – denn selbst aus schwierigen und negativen Situationen konnte ich etwas lernen. Man verliert sich im Alltag so oft in belanglosen Dingen und vergisst dabei, was eigentlich wirklich wichtig ist.
Für das kommende Jahr wünsche ich mir vor allem eines: gesund zu werden und meine Ausbildung abschließen zu können.
Nun sind wir alle auf dem gleichen Stand. Jetzt heißt es warten, was meine Befunde am 9.1.2026 sagen werden. Ich würde mir sehr wünschen, euch nächste Woche positive Neuigkeiten mitteilen zu können. 🤍
Ich wünsche euch allen ein gutes, gesundes und positiv gestimmtes Jahr 2026 – und bis nächste Woche Sonntag um 14:00 Uhr. ✨
Eure Theresa 🫶🏻
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